Beilstein in vergangener Zeit

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Inneres Nordtor

Ein überbautes Tor im alten Stadtkern (am Fuß der Klostertreppe): Die Theorie, daß Beilstein ein inneres und äußeres Nord-Stadttor besaß, ist wohl nicht haltbar. Dieses Tor erklärt sich durch den Platzmangel und die enge Bebauung in der Altstadt, die jeden Quadratmeter überbaute. Das wirkliche nördliche Stadttor ist im Hintergrund zu erkennen. Zwischen diesen beiden Toren erstreckte sich in Beilstein das jüdische Wohnviertel mit der Synagoge.( Foto etwa um 1900)


Äußeres Nordtor

Äußeres nördliches Stadttor, diesmal Blick stadteinwärts.


Abgebrochenes Haus zwischenden Nordöstlichen Toren

Dieses uralte Fachwerkhaus - vormals gelegen zwischen den beiden nördlichen Toren - steht seit 1992 leider nicht mehr in Beilstein. Über Generationen war es ebenso wie das zur Rechten angrenzende Wohnhaus Eigentum der Weinbergsbesitzer Kochems. Die letzte Generation Josef und Susanne Kochems verstarben in den 1950er Jahren. Die Beilsteiner nannten die Häusergruppe deshalb "das Sannsche-Haus". Das dreigeschossige Fachwerkhaus wurde zuletzt als Lager für Weinbergsgeräte, Heu und Viehfutter genutzt. Im tonnengewölbten Bruchsteinkeller wurde Vieh gehalten.


Sannsche-Haus von außen

Das rechts angrenzende Wohnhaus (auf diesem Foto von 1936 aus dem Rühmann Film "Wenn wir alle Engel wären" in der linken Bildhälfte zu erkennen) war im inneren wohl recht herrschaftlich. Eine Art Saal im 1. Stock und eine große Flurküche ließen das Haus zu etwas Besonderem in Beilstein werden. Es war sicherlich kein Zufall, daß große Teile des Rühmann Filmes in diesem Haus abgedreht wurden.


Sannsche-Haus Küche

 
Durch diese riesige eicherne Eingangs-Kassettentüre trat man direkt in die geräumige Flurküche ein. Die uralte Türe konnte ein Nachbar beim Abbruch des Hauses retten. Er schenkte mir seinen Schatz. Die Türe ist heute Bestandteil der Theke in der hauseigenen Kellerkneipe meines "Alten Spukhauses". (Siehe hierzu auf meiner home page Rundgang durchs Haus / "Altes Spukhaus"). Das komplette Wohnhaus und der dahinter liegende Hof sind mit einem, auch noch heute nach dem Abriss vorhandenem, 20 Meter langen Tonnengewölbe unterkellert. Hinter dem Haus gab es einen kleinen Hof, der an den Felsen des Rammerberges angrenzte. In den Fels höchst sauber und exakt hineingemeißelt eine kleine Grotte, die auch heute noch etwa vier Meter unter den Rammerberg führt. Beide Häuser standen viele Jahre lang leer. Versäumte Dachreperaturen und damit eindringende Nässe verschlechterten die Bausubstanz derart, daß das Erdbeben vom Sommer 1992 die Häuser akut mit Einsturz bedrohte. Die jetzigen Besitzer planen einen Wiederaufbau der Häuser, der sich in der Gestaltung der Außenhaut an den historischen Vorgängerbauten orientiert. Hoffentlich finden sie für dieses lobenswerte Vorhaben recht bald den nötigen Mut.


Weitere Bilder aus dem Rühmann Film "Wenn wir alle Engel wären" hier


Metternich`sche Amtshaus und alte Pfarrkirche

Eine der wichtigsten Plätze, die eine mittelalterliche Stadt ausmachten, waren die Marktplätze. Als Johann II von Braunshorn zu Beginn des 14. Jahrhunderts daran ging Beilstein zur Stadt auszubauen, war die Verleihung des Marktrechtes 1316 durch den deutschen König Ludwig IV, den Bayern ein wichtiges Etappenziel. Könige, später auch die teritorialen Landesherren verliehen die Marktrechte, die verbunden waren mit dem sogenannten Marktfrieden. Dieser gewährte Stadtbewohnern, Marktbeschickern und Marktbesuchern durch die städtischen Organe Schutz und Ordnung während des Markttages. Maße und Gewichte wurden überwacht. Preise und Münzen kontrolliert, Größe und Standort der Verkaufsstände reglementiert. Dafür fielen Johann II die nicht unbeträchtlichen Marktgebühren, Zölle und Schutzgelder zu. Fand der Wochenmarkt zunächst jeden Dienstag am Moselufer statt, wurde 1322 der jetzige Marktplatz hergerichtet. Hierzu wurden zwei Häuser niedergelegt, die erst wenige Jahre zuvor erbaut wurden. Die Verlegung des Wochenmarktes hatte zwei Gründe: Zum einen machte man sich unabhängig vom Moselhochwasser, zum anderen war eine Kontrolle der Händler und Waren innerhalb der Stadtmauer weit einfacher. Der dienstägliche Markt machte Beilstein zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der umliegenden Dörfer. Hier verkauften Bauern ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und kauften im Gegenzug Gewerbeerzeugnisse ein. Ein sogenanntes "Stapelrecht" verpflichtete durchziehende Kaufleute ihre Waren auch hier anzubieten. Durch die Anwesenheit von fremden oder hiesigen Händlern erhielten Handwerker den Anreiz sich an einem Marktort niederzulassen. Handel und Gewerbe nahmen einen Aufschwung. Die Braunshorn zogen in Beilstein Nutzen aus einem steigenden Steueraufkommen. Auf dem Foto sehen wir das ehemalige Metternich`sche Amtshaus auf dem Marktplatz, bis 1794 Kellnerei (Finanzverwaltung) des letzten feudalistischen Herrschergeschlechtes auf Beilstein - den Metternichs. Nach Enteignung des fürstlichen Besitzes durch das revolutionäre Frankreich, wird das Haus 1795 von der Familie Lipmann gekauft und ist seitdem Gasthaus. Das Gebäude links ist die ehemalige Pfarrkirche, die 1805 profaniert wurde und dann teilweise als Kelterhaus, Schulgebäude und als Lehrerwohnung diente. (Foto etwa 1910)


Beilsteiner Backes

Eine weitere Funktion erhielt die alte Pfarrkirche mit dem Einbau des Backes nach 1805. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden in vielen Teilen Deutschlands gemeinschaftlich genutzte Backhäuser errichtet. Zum einen entwickelte man zunehmend feuerpolizeiliche Verordnungen, die das Backen in den eigenen Häusern mit strengen Auflagen verband - zum anderen war das Anheizen des Backofens eine aufwendige Angelegenheit, die man gemeinschaftlich besser und ökonomischer regeln konnte. So gab es auch in Beilstein lange Zeit einen Dorfbackes. An einem bestimmten Wochentag wurde der Backes angeheizt. Durch "Stöckchenziehen" wurde die Reihenfolge ermittelt. Die erste Familie mußte den Backofen anheizen, die letzte Ihn von der Asche säubern. Diese beiden Aufgaben waren natürlich wenig beliebt, daher der Losentscheid. Um Brotlaibe nicht zu vertauschen, gab es oft einen unverwechselbaren Brotstempel, der einer bestimmten Familie gehörte. Die Restwärme wurde im Herbst oft genutzt um Dörrobst herzustellen In den 1950er Jahren verlor der Beilsteiner Backes immer mehr an Bedeutung. Als Mitte der 1970er Jahre das Bürgerhaus umgebaut wurde, hat man leider nicht die sozialhistorische Bedeutung des Backes erkannt. Er landete, wie so Vieles , auf dem Schutt. Teile des eisernen Ofens stehen heute im Strimmiger Heimatmuseum. (Foto etwa 1950)


Zehnthaus

In diesem riesigen Gebäude -dem Zehnthaus- aus dem 16. Jahrhundert wurde der den Bauern und Winzern abgepreßte Zehnt (der zehnte Teil ihrer Jahresernte) eingetrieben und gelagert. Das Gebäude ist mittels Schwibbögen mit der Pfarrkirche verbunden. Beide Bauwerke sind im Dachstuhlbereich mit einem Laufgang verbunden. (Foto etwa 1910)


Zehnthaus und  ehemalige Jugendherberge

Das Gebäude links war lange Zeit die Beilsteiner Jugendherberge. Zwischen Jugendherberge und Zehnthaus schlängelt sich unterhalb des Schloßbergs ein schmales Gäßchen hoch, an dessen Ende die Ostseite der mittelalterlichen Stadtbefestigung verlief. (Foto ca.1925)


Jugendherberge und altes Kölzer-Haus

Links das noch unverputzte Haus Kölzer auf dem Marktplatz. Zwischen diesem Haus und der ehemaligen Jugendherberge zieht sich die Bachstraße Richtung Osttor. Oberhalb ist die sogenannte "Klosterburg" zu erkennen - bis 1802 die Wohnung des Priors


Ehemaliges Kloster und neue Pfarrkirche

Mit dem Bau des Klosters im 17. Jahrhundert schufen die Karmelitermönche auch...


Klostertreppe und Priorwohnung

...diesen Aufgang zum Kloster, die Klostertreppe, die in vielen Filmen schon als beliebte Filmkulisse diente. Blick vom Fuß der Treppe hinauf zum ehemaligen Westflügel des Klosters.(Foto etwa 1900)


Kirche und Kloster von Burg aus gesehen

Die Geschichte der Kirche, des Klosters sowie des Karmeliterordens in Beilstein ist eng verflochten mit den jeweils Mächtigen in Beilstein, aber auch im Deutschen Reich. Vom 30-jährigen Krieg (1618-48) bis zur französischen Besetzung des linken Rheinufers, somit auch Beilsteins (1794-1814) gab es eine sehr wechselvolle Geschichte in unserem Städchen. Als Beilstein 1310 selbsständige Pfarrei wurde und der Herrscher auf Beilstein - Johann II von Braunshorn - im gleichen Jahr die erste Kirche (heute das Bürgerhaus) auf dem Marktplatz erbauen ließ, war der institutionelle Grundstein für einen nahezu 250 Jahre währenden katholischen Glauben hier am Ort gelegt. Die zehn jüdischen Familien, die sich zum gleichen Zeitpunkt in Beilstein niederließen (sie waren Eigentum des deutschen Kaisers Heinrich VII und wurden Johann II von Braunshorn quasi vom Kaiser als Geschenk überlassen) wurden hier zwar als nützliche Geldgeber und Steuerzahler geduldet, ihr jüdischer Glaube aber nicht als gleichrangige Religion akzeptiert.


Heinrich und Juden
Heinrich VII mit einer Gruppe Juden im Jahre 1312, erkenntlich am Judenhut, der allen Juden seit dem Laterankonzil von 1215 durch Papst Innozenz III zur Verächtlichmachung aufgezwungen wurde. ( Miniatur aus dem Codex Balduinensis )


Auch vor Verfolgung und Pogromen konnten sie sich nie sicher fühlen, wie die Pestverfolgungen von 1348/49 bewiesen. Eine Zäsur des Katholizismus gab es in Beilstein im Jahre 1584 als Philipp II von Winneburg von seinem Vater die Herrschaft auf Beilstein übernahm. Dieser Despot war 30 Jahre zuvor zur Augsburger Konfession (dem protestantischen Glauben) übergetreten. Wie zu jener Zeit üblich, mußten all seine Beilsteiner Untertanen ebenfalls und ungefragt ihren Glauben wechseln. Während des 30-jährigen Krieges wurde Stadt und Burg zwischen 1620-1634 von den Spaniern besetzt. Sie verordneten wiederum den katholischen Glauben. 1634 vertrieben schwedische Truppen die katholischen Spanier: Beilstein wurde wieder protestantisch.1637 stirbt der letzte Winneburger Herrscher Wilhelm, ohne der Welt einen männlichen Nachkommen beschert zu haben. Beilstein fällt daher als erledigtes Lehen an Kurtrier zurück. Das Domkapitel in Trier begann schon weit wor dem Abgang der Winneburger die Karten neu zu mischen: Bereits 1616 versprach der Kurfürst und gleichzeitige Erzbischof von Trier Lothar seinen drei Neffen, daß sie einmal die Herrschaft Beilstein erhalten würden. Einer von ihnen - Emmerich von Metternich, praktischerweise schon Domprobst in Trier - veranlaßte 1636 die Gründung des Karmeliterordens in Beilstein. Er selbst bleibt in Trier, seine Brüder Wilhelm und Lothar erhalten 1638 zunächst die Anwartschaft auf die Herrschaft Winneburg-Beilstein. Lothar von Metternich erklärt auftragsgemäß den Beilsteinern auch sofort, daß sie nicht weiter dem protestantischen "Irrglauben" anhängen dürfen. Die Beilsteiner dürften nunmehr zum vierten Male innerhalb von gut 50 Jahren ihren Glauben austauschen. Der neu angesiedelte Karmeliterorden findet zunächst eine Bleibe an der Mosel in einem ehemaligen Burgmannenhaus. (Burgmannen waren Wach- und Wehrdienstleute, die ständig an oder auf einer Burg lebten und genauen Dienstpflichten unterlagen). Die Unterkunft sollte bis zum Bau eines eigenen Klostergebäudes auf dem Rammerberg wohl ein Provisorium sein. So wurde den Mönchen schon 1636 eine Stiftung von je 2000 Talern von den beiden Brüdern Lothar und Wilhelm von Metternich, nebst Schenkung des Rammerbergs in Aussicht gestellt. Dieses Schenkungsversprechen war wohl der Preis für die Kungelei zwischen dem Trierer Domkapitel bzw. dem Erzbischof und gleichzeitigem weltlichen Kurfürsten auf der einen Seite und den Brüdern von Metternich auf der anderen Seite. Als aber die Metternichs ersteinmal an den Fleischtöpfen saßen und auf dem Rücken der hiesigen Bauern und Winzer ein Leben in Saus und Braus führten, vergaßen sie recht schnell, wem sie ihr "warmes Plätzchen unter Gottes schöner Sonne" eigentlich verdankten. Sie ließen sich unendlich viel Zeit und die Patres schmoren. Nach viel Streitigkeiten und Gezänk wurde 1683 die Schenkung des Rammerbergs rechtswirksam, 1686 die Stiftungsgelder durch Vertrag freigegeben, 1687 die Gründungsurkunde für das Kloster ausgestellt. Am 23. Mai 1686 wurde feierlich der Grundstein für das Kloster gelegt. Weniger feierlich fand sechs Jahre später der Umzug der Mönche ins neue Kloster statt. Am 30.12.1692 zog man still und hastig in das noch nicht ganz fertige neue Klostergebäude um. Wohl aus Angst die marodierenden Franzosenheere, die zuvor den Metternichs ihre schöne Burg zu Klump gehauen hatten, würden sich auch des neuen Klostergebäudes bemächtigen. Das taten sie nicht. Weder das Kloster, noch die 1691 im Bau begonnene neue Klosterkirche wurden von den schließlich 1697 abziehenden Soldaten Ludwig XIV angetastet. Es begann die angeblich "glückliche" Zeit für Beilstein. (Glücklich für wen??? Bauern und Winzer wurden weiterhin von ihren Grundherren und mit Gottes Segen ausgebeutet und mißhandelt). Erst die Truppen des revolutionären Frankreichs enteigneten 1794 auf der linken Rheinseite jeglichen fürstlichen und klösterlichen Besitz. Der Spuk der mittelalterlichen Feudalherrschaft hatte ein Ende. Das Kloster wurde von den Franzosen zwischen 1808 und 1813 an verschiedene Privatleute versteigert. Bereits unter der Preußenzeit wurde 1816 der prächtige Südflügel abgebrochen, 1819 der Kreuzgang. Den Ostflügel beließ man als Pfarrhaus. Ostflügel und Kirche sind seit 1948 wieder Karmeliterkloster.


Blick auf  Kloster von Süden

Blick hinauf zum Westflügel des Klosters und zur sogenannten "Klosterburg" der ehemaligen Wohnung des Priors. Der Fotograf hatte sich seinerzeit einen interessanten Standort ausgesucht, den es heute so in Beilstein nicht mehr gibt. Er muß wohl auf den Resten der mittelalterlichen, östlichen Stadtmauer gestanden haben (seit etwa 1970 überbaut). Haus vorne links ist heute notdürftig geflickte Ruine, Baulücke rechts daneben ist heute bebaut. (Foto etwa 1920)




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